Ausbildung zum/zur Heilpädagogen/-in

Fachakademie für Heilpädagogik Rummelsberg

Infos zum Standort

Studierende der Fachakademie organisieren Studienfahrt nach Torgau

Im Zuge der fundierten Auseinandersetzung mit der Pädagogik Paul Moors unternahm der Kurs 16 der Fachakademie für Heilpädagogik Rummelsberg im Schuljahr 2017/2018 eine Kursfahrt in das knapp 350km entfernte Torgau.

Torgau, mit dem damalige einzigen Geschlossenen Jugendwerkhof (GJWH) der DDR steht nun für ein schreckliches Beispiel der sogenannten „Schwarzen Pädagogik“. Im Rahmen dieser Exkursion besuchte der Kurs die Gedenkstätte des GJWH Torgau, wohnte einer Lesung des Buches „Erziehung hinter Gittern“ bei und hatte die Gelegenheit zu einem ergreifenden und gleichermaßen schockierenden Zeitzeugengespräch mit Herrn Ralf W., einem früheren „Insassen“ Torgaus.

"Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." (George Santayama)

In unserer modernen Zeit ist es ein leichtes, an Informationen über so gut wie alles zu kommen. Das Interner, Social-Media &Youtube (um nur wenige zu nennen) überschütten uns mit einer Flut an Informationen. Doch suchen oder recherchieren wir doch viel zu selten über wirklich wichtige Themen. So ist der neuste Tratsch über Prominente oder die Auseinandersetzung mit dem Ergebnis des Fußballspieles von gestern weitaus „schöner“ und angenehmer zu lesen als Berichte über Leid, Krieg und Missverhältnisse.

Dies selbst bei sich wahrnehmend, in der Auseinandersetzung mit dem spürbaren Leid aus der Geschichte in Torgau, verändert das Hinschauen und Hinhören.

Dialogausschnitte aus den Gesprächen mit den Studierenden dazu:

"Mir war Torgau, bis eine Klassenkammeradin davon berichtete völlig fremd. Ohne diese ´Initailinformation`  hätte ich mich wahrscheinlich nie mit diesem Thema auseinander gesetzt." 

"Es war mir schlicht und einfach nicht bewusst. Umso mehr ist es wichtig: Das was in Torgau geschah, welche Form der ´Pädagogik`, obwohl ich dies niemals als Pädagogik bezeichnen würd, angewendet wurde. Wie dieses System funktionierte, waren und sind vielleicht Gegebenheiten, die jedem von uns Bewusst sein sollten."

"Vielmehr sollten wir uns damit auseinander setzen, es nicht vergessen und darauf aufmerksam machen."

"Wir sollten uns immer wieder bewusst machen, welche Macht Pädagogik über Menschen hat. Wir müssen stets reflektieren, wie wir diese uns gegebene Macht verwenden um diese nicht zu missbrauchen, sondern als Stärke nutzen. Gut angewendete Pädagogik kann helfen, zu begleiten und zu unterstützen. Mißbrauchen wir sie, kann sie das Leben der uns anvertrauten auf Dauer schädigen oder zerstören, wie in Torgau geschehen."

"Es ist also auch unsere Aufgabe, dieses Wissen in die Zukunft zu tragen um die Umwelt oder andere Pädagogen dahin gehend zu informieren und zu sensibilisieren, oder wie Paul Moor sagen würde: Nicht nur das Kind, sondern auch seine Umgebung ist zu erziehen (Moor, Paul:1965: S. 17). Diese ´Erziehung` der Umwelt kann dafür Sorgen, dass solch schreckliche „Pädagogik“ nicht mehr vorkommt und niemand mehr darunter leiden muss.

"Es ist beängstigend, dass eine solche Einrichtung wie Torgau, oder andere Einrichtungen die einen ähnlichen Weg verfolgten, noch bis 1989 oder auch länger existieren konnte. Der Schaden durch die Pädagogik ist für die Betroffenen bis heute spürbar."

" Und so ist es auch hier, unsere Aufgabe zu verstehen, wie so etwas zustande kam, oder gar in ähnlicher Weise bis heute möglich ist. Paul Moor schrieb: Wir müssen das Kind verstehen, bevor wir es erziehen. Wo immer ein Kind versagt, haben wir nicht nur zu fragen: Was tut man dagegen? Pädagogisch wichtiger ist die Frage: Was tut man dafür? Nämlich für das, was werden sollte und werden könnte. (ebd.: S. 17) Denn nicht nur Kinder sind zuerst zu verstehen, sondern auch Geschehnisse. Wir müssen zuerst den Hintergrund durchleuchten und dann den Grund verstehen."

"Also sollten wir uns hier, frei nach MOOR fragen: Was tun wir dafür, dass sich Dinge wie Torgau nicht wiederholen, die Pädagogik sich zum besseren wandelt und die Vergangenheit verstanden und nicht vergessen wird? Ich lege an dieser Stelle jedem sehr ans Herz, sich selbst einmal mit diesem Thema, mit seiner und unserer Geschichtlichkeit zu beschäftigen. Denn wenn wir uns unserer, wenn auch dunklen Vergangenheit bewusst sind, so können wir dafür sorgen, das sich diese nicht fortführt oder wiederholt."

Moor, Paul (1965): Heilpädagogik. Ein pädagogisches Lehrbuch Studienausgabe: Bern: 1965 Hans Huber Verlag: Lizenzausgabe 1994

Der geschlossene Jugendwerkhof Torgau (Quelle: Archiv Gedenkstätte GJWH Torgau)

Studierende der Fachakademie organisieren Studienfahrt nach Torgau

Im Zuge der fundierten Auseinandersetzung mit der Pädagogik Paul Moors unternahm der Kurs 16 der Fachakademie für Heilpädagogik Rummelsberg im Schuljahr 2017/2018 eine Kursfahrt in das knapp 350km entfernte Torgau.

Torgau, mit dem damalige einzigen Geschlossenen Jugendwerkhof (GJWH) der DDR steht nun für ein schreckliches Beispiel der sogenannten „Schwarzen Pädagogik“. Im Rahmen dieser Exkursion besuchte der Kurs die Gedenkstätte des GJWH Torgau, wohnte einer Lesung des Buches „Erziehung hinter Gittern“ bei und hatte die Gelegenheit zu einem ergreifenden und gleichermaßen schockierenden Zeitzeugengespräch mit Herrn Ralf W., einem früheren „Insassen“ Torgaus.

"Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." (George Santayama)

In unserer modernen Zeit ist es ein leichtes, an Informationen über so gut wie alles zu kommen. Das Interner, Social-Media &Youtube (um nur wenige zu nennen) überschütten uns mit einer Flut an Informationen. Doch suchen oder recherchieren wir doch viel zu selten über wirklich wichtige Themen. So ist der neuste Tratsch über Prominente oder die Auseinandersetzung mit dem Ergebnis des Fußballspieles von gestern weitaus „schöner“ und angenehmer zu lesen als Berichte über Leid, Krieg und Missverhältnisse.

Dies selbst bei sich wahrnehmend, in der Auseinandersetzung mit dem spürbaren Leid aus der Geschichte in Torgau, verändert das Hinschauen und Hinhören.

Dialogausschnitte aus den Gesprächen mit den Studierenden dazu:

"Mir war Torgau, bis eine Klassenkammeradin davon berichtete völlig fremd. Ohne diese ´Initailinformation`  hätte ich mich wahrscheinlich nie mit diesem Thema auseinander gesetzt." 

"Es war mir schlicht und einfach nicht bewusst. Umso mehr ist es wichtig: Das was in Torgau geschah, welche Form der ´Pädagogik`, obwohl ich dies niemals als Pädagogik bezeichnen würd, angewendet wurde. Wie dieses System funktionierte, waren und sind vielleicht Gegebenheiten, die jedem von uns Bewusst sein sollten."

"Vielmehr sollten wir uns damit auseinander setzen, es nicht vergessen und darauf aufmerksam machen."

"Wir sollten uns immer wieder bewusst machen, welche Macht Pädagogik über Menschen hat. Wir müssen stets reflektieren, wie wir diese uns gegebene Macht verwenden um diese nicht zu missbrauchen, sondern als Stärke nutzen. Gut angewendete Pädagogik kann helfen, zu begleiten und zu unterstützen. Mißbrauchen wir sie, kann sie das Leben der uns anvertrauten auf Dauer schädigen oder zerstören, wie in Torgau geschehen."

"Es ist also auch unsere Aufgabe, dieses Wissen in die Zukunft zu tragen um die Umwelt oder andere Pädagogen dahin gehend zu informieren und zu sensibilisieren, oder wie Paul Moor sagen würde: Nicht nur das Kind, sondern auch seine Umgebung ist zu erziehen (Moor, Paul:1965: S. 17). Diese ´Erziehung` der Umwelt kann dafür Sorgen, dass solch schreckliche „Pädagogik“ nicht mehr vorkommt und niemand mehr darunter leiden muss.

"Es ist beängstigend, dass eine solche Einrichtung wie Torgau, oder andere Einrichtungen die einen ähnlichen Weg verfolgten, noch bis 1989 oder auch länger existieren konnte. Der Schaden durch die Pädagogik ist für die Betroffenen bis heute spürbar."

" Und so ist es auch hier, unsere Aufgabe zu verstehen, wie so etwas zustande kam, oder gar in ähnlicher Weise bis heute möglich ist. Paul Moor schrieb: Wir müssen das Kind verstehen, bevor wir es erziehen. Wo immer ein Kind versagt, haben wir nicht nur zu fragen: Was tut man dagegen? Pädagogisch wichtiger ist die Frage: Was tut man dafür? Nämlich für das, was werden sollte und werden könnte. (ebd.: S. 17) Denn nicht nur Kinder sind zuerst zu verstehen, sondern auch Geschehnisse. Wir müssen zuerst den Hintergrund durchleuchten und dann den Grund verstehen."

"Also sollten wir uns hier, frei nach MOOR fragen: Was tun wir dafür, dass sich Dinge wie Torgau nicht wiederholen, die Pädagogik sich zum besseren wandelt und die Vergangenheit verstanden und nicht vergessen wird? Ich lege an dieser Stelle jedem sehr ans Herz, sich selbst einmal mit diesem Thema, mit seiner und unserer Geschichtlichkeit zu beschäftigen. Denn wenn wir uns unserer, wenn auch dunklen Vergangenheit bewusst sind, so können wir dafür sorgen, das sich diese nicht fortführt oder wiederholt."

Moor, Paul (1965): Heilpädagogik. Ein pädagogisches Lehrbuch Studienausgabe: Bern: 1965 Hans Huber Verlag: Lizenzausgabe 1994

Der geschlossene Jugendwerkhof Torgau (Quelle: Archiv Gedenkstätte GJWH Torgau)