Ausbildung zum/zur Heilpädagogen/-in

Fachakademie für Heilpädagogik Rummelsberg

Soziologie

„Der Mensch mit abweichendem Verhalten ist ein Mensch, auf den diese Bezeichnung erfolgreich angewandt worden ist; abweichendes Verhalten ist Verhalten, das Menschen so bezeichnet.“                  (Howard S. Becker)

Heilpädagoginnen/-en setzen sich mit gesellschaftlichen und sozial-politischen Themen und Entwicklungen auseinander und stellen sich den Herausforderungen und Auswirkungen, die diese Kontexte für die heilpädagogische Arbeit mit sich bringen. Studierende der Heilpädagogik haben aufgrund ihres Alters und ihrer beruflichen Tätigkeit in pädagogischen und heilpädagogischen Arbeitsfeldern einen großen Erfahrungshintergrund. Häufig werden Probleme am Arbeitsplatz als individuelles Versagen erlebt. Eine soziologische Betrachtungsweise kann dieses Gefühl durch die Aufdeckung gesellschaftlicher und institutioneller Strukturen relativieren. Aktuelle Ereignisse und aktueller politischer und gesellschaftlicher Diskurs bestimmen ebenfalls die Gewichtung der Lerninhalte.

 Inhalte:

• Grundlegende Fragen, Begriffe und Methoden der Soziologie

• Struktur, Normen und Werte in der Gesellschaft

• Gesellschaftheorien, die die Stellung der Einzelnen und besonders der von Behinderung betroffenen Personen oder Personengruppen analysieren (Globalisierungstheorie, Theorie der Risikogesellschaft, Individualisierungsgesellschaft, Multioptionsgesellschaft)

• Sozialisationsbedingungen von Kindern und Jugendlichen (Geschichte des Aufwachsens, ökonomische Bedingungen der Sozialisation, Kinderarmut, Sozialisationsbedingungen in Stadt und Land, Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen, die Situation von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die Bedeutung von Medien im Prozess des Aufwachsens)

• Menschen mit Behinderung im gesellschaftlichen Kontext (gesellschaftliche Definition von „Behinderung“, Behinderungsrisiko und soziale Ungleichheit, systemtheoretische Betrachtungsweise der Ursachen und der Bedeutung von Ausgrenzung, Inklusion in einer Leistungsgesellschaft, Inklusion in einer Gesellschaft mit christlicher Orientierung)

• Erklärungsmodelle für abweichendes Verhalten (Alltagstheorien, Anomietheorie, Theorie der autoritären Persönlichkeit, Theorien der Stigmatisierung von Menschen mit abweichendem Verhalten)

• Heilpädagogische Institutionen (Konzept der Totalen Institution, Bedeutung der Geschlechterrolle in der heilpädagogischen Arbeit, Problematik von Gewalt und sexuellem Missbrauch in pädagogischen Einrichtungen)

• Qualitätsmanagement in sozialen Einrichtungen (geschichtliche Entwicklung von Einrichtungen, auch unter dem Aspekt des Menschenbildes des Nationalsozialismus, konkurrierende Zielsetzungen im Spannungsfeld von pädagogischen und ökonomischen Interessen)